Colonisation – we were here
Das Kolonisieren von Ländern verschaffte den Kolonialmächten wirtschaftliche Macht, da sie sich neuer Rohstoffe und kostenloser Arbeitskräfte vermachten. Mit Menschenrechten oder Respekt hatte das nichts zu tun, denn Ausbeutung braucht auf Kurz oder Lang eine kräftige Legitimation: In diesem Fall Rassismus. Unterdrückung und Terror standen auf der Tagesordnung, um die eigene weiße Machtstellung zu verfestigen. Vorkoloniale Gesellschaften wurden auf diese Art neu strukturiert, während in Frankreich, Deutschland, England, Belgien und Co. die kolonialen Tätigkeiten überwiegend als Umerziehung, Vormundschaftspflicht und Gnadenakt abgefeiert wurden.

Deutschland
Bevor auch das deutsche Kaiserreich staatliche Kolonien ausrief, waren es Kaufleute aus Bremen, Unternehmer aus Hamburg und “Abenteurer” und “Forscher” aus dem bürgerlichen Preußen, die begannen Handelsstützpunkte zu errichten. Prototypisch kann dafür die Konstruktion “Deutsch-Südwestafrikas” herhalten: Adolf Lüderitz, Bremer Tabakhändler klaut sich mit einem trickreichen Schwindel gegenüber dem Nama-Kaptein Josef Fredericks II Land für einen Handelsstützpunkt zusammen. Unter dem Druck britischer Konkurrenz im Süden dieses Gebiets gab Reichskanzler Bismarck den heftigen Bitten des Bremers statt und ließ am 07. August 1884 die deutsche Flagge vor dessen Haus hissen und Kriegschiffe im Hafen Lüderitzort einlaufen. Lüderitzland war vom privaten Projekt – wie man das heute nennen würde – zum staatlichen Schutzgebiet avanciert. Später sollte diese Handelskolonie in eine Siedlungskolonie umgewandelt werden. Deutschland war Kolonialmacht.

Völkermord
Ein zentrales geschichtliches Ereignis stellt dabei die Niederschlagung der Aufstände von Herero und Nama in “Südwest Afrika” dar. Aufgrund der massiven Ausdehnung von Siedlungen der Deutschen und der abnehmenden Akzeptanz der Schwarzen, die rassistische Doktrin und ihre konkreten Ausformungen (wie die völlig legale Prügelstrafe) hinzunehmen, organisierte sich Widerstand. Die deutsche Verteidigung entpuppte sich schnell als vernichtender Angriff und endete mit mehr als 75.000 getöteten Herero und Nama als Völkermord.

Damit lässt sich einer von vielen Bögen in die heutige Zeit schlagen. Während vergleichbare Vernichtungskriege deutscher Truppen seit längerem in ihrer Brutalität anerkannt sind, ziert sich das offizielle Deutschland in diesem Fall. Dieses Zögern als Anzeichen einer generellen Verweigerungshaltung gegenüber eigener Kolonialgeschichte und fortwährendem Rassimus zu betrachten, eint die Leute hinter diesem Blog.

Kolonialismus ist vorbei + Kolonialismus besteht = Postkolonialismus

Wie sieht die Globalisierung aus, wenn sie nackt als Postkolonialismus da steht? Wo steckt sie in unserem Alltag? Wo in gesellschaftlichen und politischen Strukturen? Wie gehen wir mit der Kolonialzeit um? Damit wollen wir uns in diesem Blog beschäftigen. Wir haben keine Lust in einer Gesellschaft zu leben, die berauscht mit Wohlstand ihre Vergangenheit vergisst, verdrängt und verleumdet. Konfrontation ist unbequem. Auf diesem Blog findet Ihr unbequeme Infos zu Literatur, Veranstatungen und Aktionen, sowie Informationen über Vergangenes und doch Aktuelles. Postkolonialismus eben.

Literatur:

Castro Varela/ Dhawan: Postkoloniale Theorie. Eine kritische Einführung. Bielefeld: Transcript Verlag

Kerner: Postkoloniale Theorien. Zur Einführung. Hamburg: Junius Verlag

Osterhammel/Jansen: Kolonialismus. Geschichte, Formen, Folgen. München: Verlag C.H. Beck