Mini-Serie: Audre Lorde [1]

taken by K.Kendall/flickr Licensed under CC BY 2.0 https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/legalcodeMini-Serie: DIESE NAMEN BRAUCHEN STRASSEN! Ob M-Straße*, Nachtigalplatz oder Swakopmunder Straße: Berlin kennt unzählige Straßen, die rassistische Beleidigungen im Namen tragen, Kolonialverbrecher ehren oder an einstmals positiv besetzte Orte deutscher Kolonialgeschichte erinnern. Soweit so – seit langem – klar. Findet hier Kurzvorstellungen einiger Vorbilder für die Umbenennung! Diesmal: Audre Lorde

Verschiedene Diskriminierungen zusammen denken
Eine Dichterin, eine Intellektuelle, eine Aktivistin? Wer Audre Geraldine Lorde in Schubladen packen will, wird scheitern. Sie selbst stellte sich oft als „black, lesbian, mother, warrior, poet“ vor und hinterließ in jedem dieser Felder und in ihnen überlappend Spuren . In den Jahren von 1984-1992 reiste sie regelmäßig nach Berlin, um an der Freien Universität als Gastdozentin zu lehren. Aufgrund ihrer umtriebigen Art wurde sie schnell zur aktivistischen Multplikatorin für Schwarzen Frauen in Deutschland. Ihr Augenmerk legte sie dabei nicht nur auf rassistische Mechanismen und Strukturen, sondern auch deren Wirkung in Zusammenhang mit der Sexualität oder dem sozialen Geschlecht. Heute bezeichnet man das als intersektionale Sicht.

Einmal schrieb sie an eine enge Freundin: I think it is even more important now to do FARBE BEKENNEN. To move on it now that the question has been opened in a more general way. To begin to provide some materia, some tangible words to say here there is an identifiable group, beyond the specious safety of quasi-invisible isolation. Diese Worte zeigen: Berlin fehlt eine Audre-Lorde Straße!

Freundin von May Ayim
Immerhin gibt es bereits eine empfehlenswerte „Audre Lorde – Berlin City Tour“ samt interaktiver Website, die durch Lorde’s langjährige Wegbegleiterin an der FU, Dagmar Schultz geschaffen wurde. Hier lässt sich zum Beispiel das „Kato“ entdecken, eine ehemalige Location im Schlesi-U-Bahnhof in Kreuzberg, wo sich die frühe Bewegung Afro-deutscher Frauen häufig zu öffentlichen Veranstaltungen versammelte. Unweit davon wurde durch mühsame Kämpfe der Aktivist_innen dann 2011 das Gröbenufer nach der Dichterin und Aktivistin May-Ayim Ufer umbenannt. Audre Lorde, die mit Ayim eine Freundschaft pflegte, erlebte das leider nicht mehr. Zeit wäre es nun, der starken Audre Lorde ebenfalls eine Straße zu widmen!

*gemeint ist die kolonialrassistische Mohrenstraße

Weitere Links

„Audre Lorde: The Berlin Years“: Kostenlose Filmvorführung am 21.07.16 (Berlin) im Institut für Sozialwissenschaften

„Audre Lorde: The Berlin Years“ Trailer

Überblick über erfolgreiche und geplatzte Umbenennungen deutschlandweit

Umbenennungsaktion in Berlin-Mitte: Möhrenstraße

Initiative in Hamburg „Schwarze Persönlichkeiten“ anstatt Kolonialverbrecher zu würdigen